Offener Brief an die Parteien im Gießener Stadtparlament

Die Bürgerinitiative bittet in einem offenen Brief die Parteien im Stadtparlament um eine Positionierung zum Gewerbepark Lützellinden hinsichtlich der Kommunalwahl 2021.

Bürgerinitiative „Lützellinden sagt NEIN“
c/o Dr. Matthias Wollbrück · Lindenstraße 32a · 35398 Gießen

Gießen, den 06.08.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

im kommenden März finden die nächsten Kommunalwahlen in Hessen statt und angeblich wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl und nach der Jagd. Wir als engagierte Bürger Lützellindens wollen nicht in solche platten Stereotypen verfallen. Wir begreifen den demokratischen Prozess als einen Austausch von Ideen und Überzeugungen zum Wohl der Allgemeinheit. Dies bedeutet jedoch mehr als nur die Zusammenfassung von Partikularinteressen oder das Durchsetzen der Wünsche einer bestimmten Lobby.

Sie als Partei werden sich vor der nächsten Kommunalwahl ein Programm geben, mit dem sie dem Bürger ihre politischen Vorstellungen und konkreten Vorhaben vermitteln wollen und um seine Stimme, seinen Vertrauensvorschuss werben.
Sollten Sie in verantwortliche Positionen gewählt werden, wird Sie der mündige Bürger an der Umsetzung Ihres Wahlprogramms messen, ein Umstand, der für sie eine Selbstverständlichkeit darstellt.

Wir als Bürgerinitiative im Gießener Ortsteil Lützellinden engagieren uns „im Auftrag“ der weit überwiegenden Zahl der Lützellindener Bürger und mit der Sympathie vieler Bürger aus der Gießener Kernstadt und den Stadtteilen für einen ökologischen und nachhaltigen Umgang der Gießener Kommunalpolitik mit der Ausweisung neuer Gewerbeflächen, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Ressourcenschutzes.

Und genau dieses Thema trifft den Gießener Stadtteil Lützellinden elementar. Für Lützellinden, dass bei ca. 70 ha Wohnbebauungsfläche schon jetzt ca. 40 ha Gewerbefläche aufweist, sind weitere 132 ha Gewerbefläche im Regionalplan Mittelhessen ausgewiesen. In naher Zukunft sollen von dieser Fläche die ersten 40 ha als weitere Gewerbefläche bebaut werden. Lützellinden würde dann schon mehr Gewerbe- als Wohnfläche aufweisen.

Durch die Entscheidung der Regionalversammlung die 132 ha Fläche im bestehenden Regionalplan Mittelhessen zu belassen, ist die Entscheidung hinsichtlich einer Umsetzung dieser Gewerbefläche in ihre Verantwortung gelegt. Verbunden damit sind ihrerseits die Auswirkungen auf Region und Gesellschaft zu bewerten.

Und hier setzt jetzt unsere Frage an:
Wie stehen sie konkret zur Versiegelung von guten Ackerböden und den Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Wie stellen sie sich eine Entwicklung der Region Mittelhessen vor hinsichtlich einer weiter fortschreitenden Zentralisierung, Ausbau der Ober- und Mittelzentren, Vernachlässigung des Randgemeinden), einer Verkehrsplanung die in den letzten Jahrzehnten ausschließlich auf die Nutzung von PKW und LKW gesetzt hat, oder wie stehen sie zum Thema bauliche Verdichtung in bestehenden Gewerbegebieten usw. Was wir uns von Ihnen nicht erwarten sind pauschalierende Antworten wie „Wir stehen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, für die lukrative Weiterentwicklung der Stadt Gießen, für ein ökologisch und ökonomisch ausgewogenes Handeln …“, sondern wir erwarten uns eine Würdigung des Gesamtzusammenhangs mit einem konkreten Bezug zur Großgewerbefläche Lützellinden.

Bitte teilen Sie uns daher mit, wie Sie sich diesbezüglich die Zukunft des Stadtteils Lützellinden vorstellen, so dass die Lützellindener (und Gießener) Bürger dies bei ihrer Wahlentscheidung zur Kommunalwahl im März nächsten Jahres berücksichtigen können.

Für die Bürgerinitiative „Lützellinden sagt NEIN!“,

gez. Dr. Matthias Wollbrück